KI in der Facilitation: Wirksam sein in heißen Zeiten

20.01.2026 | Sabine Langrock

Impulse aus dem Lernforum Oberursel: Facilitation zwischen Verdichtung und Begegnung

Im Lernforum Oberursel habe ich erlebt, wie KI Dialoge in Minuten zu klugen Thesen verdichtet. Ich war inspiriert und irritiert. Denn das, was im Raum wirklich wesentlich war, passt nicht in einen Report: Begegnung, Resonanz, Präsenz. KI kann in Facilitation unglaublich schnell verdichten und trotzdem am Wesentlichen vorbeigehen. Denn Transformation ist kein Datenproblem, sondern ein Beziehungs- und Resonanzgeschehen.

Themen: KI in Facilitation, Großgruppen, Transformation, Resonanz

„Wirksam sein in heißen Zeiten – mit und ohne KI“

Das war das diesjährige Motto des Lernforums Oberursel – ein Klassiker für Großgruppenarbeit und Facilitation, gehostet von Matthias zur Bonsen, Jutta Herzog und Myriam Mathys.

Und ja: heiße Zeiten passt. Wir erleben gerade viel Bewegung, Disruption. Energetisch, chaotisch, konfliktreich. 2026 ist das Jahr des Feuerpferds.


KI kann verdichten – aber nicht automatisch verstehen

Am Sonntag haben wir live erlebt, wie AI in Facilitation-Prozessen unterstützen kann: Unsere Resonanzen aus kleinen Circle-Dialogen wurden per App eingesammelt, bis zu 2000 Rückmeldungen in Minuten verdichtet. Und noch am Sonntagabend erhielten wir einen mehrseitigen Report über den gesamten Dialogprozess.

Ich war gleichermaßen inspiriert wie irritiert. Die Muster und Thesen klingen schlau. Kollektive Weisheit auf 14 Seiten.

Doch das, was in den Circles und im großen Kreis für mich wesentlich war und mich berührt hat, finde ich nicht in dem Report.

Verdichtung ist nicht automatisch Verstehen. Transformation ist kein reines Denk- oder Datenproblem. Sie ist ein Beziehungs- und Resonanzgeschehen.


Woran du gute Facilitation in heißen Zeiten erkennst

Nicht daran, wie schnell aus vielen Stimmen ein Report wird, sondern daran, ob Menschen danach klarer sehen, sich wieder zuhören können und Verantwortung neu sortieren. KI kann die Landkarte schneller zeichnen. Aber den Schritt von Landkarte zu Bewegung gehen Teams nur über Beziehung, Mut und Resonanz.


Open Space: Drei Beobachtungen, die mein Bild geschärft haben

Dieses Spannungsfeld hat sich im Open Space am Montag weiter ausdifferenziert. In mir klingen viele wunderbare Begegnungen und Inspirationen aus diesen Sessions nach.

1) Voice Agents für OE- und Transformationsprozesse

In einer Session ging es darum, Voice Agenten für Organisationsentwicklung und Transformation zu bauen. Die Erfahrung mit Susanna, einer sehr menschlich wirkenden Voice-Agentin, im Vorfeld zum Lernforum hat mich neugierig gemacht.

Meine Haupterkenntnis: Mindestens genauso wichtig wie die richtigen Tools ist, wie wir diese mit Kontext und Haltung versehen. AI ist nicht neutral. Sie kann bestehende Annahmen verstärken. Umso wichtiger: präzise Fragen, saubere Ethik, bewusstes Prompting und die Bereitschaft, die eigenen Biases mitzudenken.

2) Aufstellung statt Analyse: Erkenntnis als Erleben

Die Aufstellung „Mensch in Beziehung zu Herkunft und Zukunft, Natur und Kultur – wenn künstliche Intelligenz Teil unserer Wirklichkeit wird“ war faszinierend, irritierend, überraschend.

Da ging es nicht um Tools, sondern um Körperliches, Räumliches, Beziehungshaftes: Erkenntnis nicht als Analyse, sondern als Erleben.

3) Facilitation ohne KI als bewusster Gegenpol

In einem Thinking Circle entstand ein tiefer Dialog zu der These: Facilitation ohne KI wird zum USP.

Nicht als Anti-KI Haltung, sondern als bewusster Gegenpol. Denn Präsenz, Resonanz, Mitgefühl, Sinngebung und Begegnung sind keine nostalgischen Werte, sondern Zukunftskompetenzen. Gerade in heißen Zeiten.


Mein Profil als Facilitatorin: Entlasten mit KI – vertiefen ohne KI

Mein Profil liegt genau hier:

Ich nutze künstliche Intelligenz, wo sie entlastet, strukturiert, klärt und unterstützt – ein riesiges Feld für Neugier und Experimentierfreude, auch in der Arbeit mit Teams, Führungskreisen und in Veränderungsprozessen.

Und gleichzeitig öffne, halte und gestalte ich Resonanzräume, in denen bewusst keine KI mitläuft. Damit Menschen in Verbundenheit kommen, wenn gerade mehr Zuhören, Innehalten oder Fühlen gebraucht wird: Momente von Stille, Irritation, Nicht-Wissen. Gerade dort, wo Kulturwandel und Transformation nicht „gelöst“, sondern durchlebt werden.

Oder, um es mit Martin Buber zu sagen:
„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“


Brücke zu meinem Angebot 

Wenn du gerade vor einem Workshop, Offsite oder einem OE-/Change-Format stehst, in dem es konflikthaft, schnell oder unübersichtlich wird: Ich unterstütze dabei, beides zusammenzubringen – klare Struktur (wo KI sinnvoll ist) und echte Begegnung (wo Präsenz und Resonanz den Unterschied machen).


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​​​​​​​In einem persönlichen Gespräch können wir gemeinsam erste Ideen entwickeln und Möglichkeiten der Zusammenarbeit klären. Ich freue mich auf unser Kennenlernen - ob in Präsenz oder online.

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